Elektromobilität ist die Basis für neue Verkehrskonzepte

08-10_Markus_BrohmElektromobilität ist ein zentrales und globales Zukunftsthema. Auch wenn damit industriepolitische Herausforderungen und Anpassungsprozesse einhergehen, verspricht Elektromobilität Umweltfreundlichkeit, Klimaschutz und Wachstumsimpulse für die Wirtschaft. Ein Gastbeitrag von Dr. Markus U. Brohm, Referent für Verkehrsfragen beim Deutschen Landkreistag.

E-Mobilität ist auch in ländlichen Regionen interessant
Um die Technologieführerschaft der deutschen Automobilindustrie zu behaupten und auszubauen, will die Bundesregierung die Bundesrepublik Deutschland zu einem Leitmarkt für Elektromobilität machen. Die Modellregionen konzentrieren sich derzeit vor allem auf städtische Ballungsräume. Elektromobilität ist jedoch gerade auch für ländliche Räume ein interessantes Thema. So besteht insbesondere hier ein schlechter ausgebautes ÖPNV-Angebot und eine höhere Abhängigkeit vom motorisierten Individualverkehr, dessen Schadstoffemissionen durch Elektromobilität begrenzt werden können. Auch für Pendlerverkehre ist E-Mobilität von Interesse, hier lassen sich durch die Verknüpfung von ÖPNV-Angeboten mit Car-Sharing-Modellen neue Mobilitätskonzepte und Geschäftsmodelle entwickeln. Verschiedene Stadtwerke sind bereits dabei, entsprechende Aktivitäten zu entfalten.

 

Marktsegment sanfter Tourismus
Auch für Tourismusregionen lassen sich in Verbindung mit Elektromobilität neue Angebote entwickeln. So kann etwa der Einsatz von elektrisch unterstützten Fahrrädern (Pedelecs) den Fahrradtourismus in Mittelgebirgslagen für die Zielgruppe 50plus und Genussurlauber erschließen und noch attraktiver machen. Ländliche Naherholungsräume und Luftkurorte stellen darüber hinaus Überlegungen an, Elektromobilität in Verbindung mit entsprechenden ÖPNV- und Carsharing-Angeboten zu nutzen. Damit verbindet sich auch die Möglichkeit, das Erleben von Elektromobilität als eigenständige „Attraktion“ zu vermarkten.

 

Landkreistag setzt sich für Ausdehnung der Modellregionen ein
Selbst nach optimistischen Prognosen werden Elektrofahrzeuge auf absehbare Zeit nur einen relativ geringen Anteil am Gesamtfahrzeugbestand erreichen. Ihre Verbreitung wird sich zunächst auf Nischen konzentrieren, zum Beispiel auf Fahrzeugflotten von Autovermietungs- und Carsharing-Gesellschaften und öffentliche Verwaltungen. Entscheidend wird sein, dass sich die vorerst noch höheren Anschaffungskosten über geringe Betriebskosten zumindest teilweise egalisieren lassen. Der Deutsche Landkreistag macht sich dafür stark, die unterschiedlichen Einsatzbedingungen gerade auch im ländlichen Raum zu erproben und die Modellregionen für Elektromobilität entsprechend auszudehnen. Neben der erforderlichen Neuausrichtung der Stromnetzinfrastruktur ist durch maßgeschneiderte Förderprogramme das Innovationspotenzial der mittelständischen Unternehmen zu unterstützen.