Energieknappheit ist ein weltweites Problem und kann katastrophale Folgen haben – wenn nicht auf politischer und wirtschaftlicher Ebene die richtigen Weichen gestellt werden. Jürgen Trittin dazu im D’fakto-Interview.
Die Bundesregierung will bis 2050 in der Energieversorgung komplett auf erneuerbare Energien setzen. Trittin: „Ich halte dieses Ziel für realistisch. Schon heute stammen 17 Prozent des Stroms aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse. In dieser Wachstumsbranche arbeiten schon 340.000 Menschen.“
Verbrauch senken, Effizienz steigern
Eine seriöse Strategie – so Trittin – müsse auch auf gesteigerte Energieeffizienz und mehr Energiesparen setzen. Bis 2020 könne der Stromverbrauch um zwölf Prozent sinken, bis 2050 um mindestens 25 Prozent. „Wir können bis 2040 nicht nur den Strom, sondern den gesamten Energieverbrauch regenerativ ausrichten. Wir brauchen neue Kraftwerke, neue Netze und Speicher, den Abbau von umweltschädlichen Subventionen, ambitionierte CO2-Minderungsziele, ein Energieeffizienzgesetz und einen Energiesparfonds. Einsparungen und erneuerbare Energien im Verkehr gehören dazu, etwa durch strenge Verbrauchsvorgaben und die Förderung der Elektromobilität“, fordert der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.
Steigende internationale Konkurrenz um Energie und Rohstoffe
Viele Veränderungen seien aber nur international denkbar: „Wenn eine internationale Koordinierung der Energie- und Rohstoffpolitik ausbleibt, dann steuern wir auf ein Zeitalter katastrophaler Konflikte zu. Das moderne Leben, die heutigen Städte und Megastädte, der Wohlstand der reichen und der steigende Lebensstandard der Schwellen- und Entwicklungsländer, all das hängt ab von Energie und es treibt die hektische Konkurrenz um Energie und die Rohstoffe zu ihrer Erzeugung an“, so Trittin. Erstes Ziel müsse es sein, die weltweite Nachfrage zu dämpfen. Heutige Zahlen alarmieren: Selbst bei konservativen Schätzungen des Wirtschaftswachstums in Indien und China prognostiziert die Internationale Energieagentur für den Fall, dass keine rasche und konzertierte Kursänderung eingeleitet wird, eine Zunahme des Weltenergiebedarfs bis 2035 um 44 Prozent. Die Stromnachfrage werde sich allein in China bis 2035 verdreifachen.