Die Herausforderungen für kleine und mittlere Unternehmen wachsen. Der Druck auf die Innovationsdynamik wird sich in der Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs weiter verstärken. Baden-Württemberg setzt deshalb verstärkt auf Netzwerke. D’fakto sprach mit Wirtschaftsminister Ernst Pfister über die Ziele der Clusterpolitik seines Landes.
Steigende Anforderungen benötigen Interdisziplinarität
Die heutigen Problemstellungen bei Produkt- und Verfahrensinnovationen, aber auch bei der Entwicklung von neuen Dienstleistungen erfordern eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mehrerer Akteure. Rein unternehmensinterne Forschung wird immer weniger ausreichen, um Innovationen zu entwickeln. „Unternehmerisches und wissenschaftliches Know-how müssen sich enger, zielgerichteter und unternehmensübergreifend verzahnen. Die Herausforderungen im Automobilbau können zum Beispiel ohne Einbeziehung der Energiefachleute, der Mechatroniker oder der IT nicht geschultert werden“, so Ernst Pfister.
Netzwerke bringen Vorteile für die Unternehmen
Unternehmensübergreifende technologie- oder branchenorientierte Netzwerke oder Clusterinitiativen stellen eine neue Dimension und Qualität der Zusammenarbeit dar. Die dort entstehenden Kooperationsbeziehungen müssen zunehmend strategisch und systematisch abgestimmt und ausgerichtet werden, Lücken in der Wertschöpfungskette schließen und einen organisatorischen professionellen Rahmen für ihre Aktivitäten erhalten. In Netzwerken können Unternehmen ihre Innovationskraft steigern. Akteure können Ressourcen gemeinsam nutzen oder sich die Kosten dafür teilen, Kooperationen können zielgenauer angebahnt und geschlossen werden. Ein schneller Technologietransfer – ganz konkret an den Problemlagen der Unternehmen orientiert – kann erfolgen.
Fraunhofer-Studie bestätigt Relevanz von Netzwerken
Die Mitarbeit in Clusterinitiativen und Netzwerken macht Sinn, wenn die Akteure aus dieser Netzwerkarbeit konkreten Nutzen ziehen können und sich echte Mehrwerte ergeben, wie z.B. der Zugang von Unternehmen zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen durch die Clusterinitiative oder Kooperationen mit Unternehmen aus dem Netzwerk, die zuvor nicht im eigenen Blickfeld lagen. Eine Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitsorganisation (IAO) aus dem Jahr 2008 bestätigt die Unternehmenserfahrung: 70 Prozent der Wachstums-Champions unter den KMUs in Europa setzen auf eine enge Einbindung von Netzwerkpartnern im Innovationsmanagement.