Die Krise ist überwunden. Deutschland ist auf dem besten Wege, wieder Exportweltmeister zu werden. Viele Branchen profitieren von der großen Nachfrage aus dem Ausland, insbesondere aus den prosperierenden Entwicklungs- und Schwellenländern. Ein Gespräch mit Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft.
Deutsche Industrie bietet Antworten auf globale Trends
„Dass die Krise so schnell überwunden wurde und der steigende Export wieder dieses Niveau erreicht hat zeigt, dass es sich nur um eine Wachstumspause gehandelt hat“, glaubt Prof. Dr. Michael Hüther. Deutschland knüpfe mit der Industrieproduktion und den Dienstleistungen an die globalen Trends wie Urbanisierung, Infrastrukturentwicklung, demographische Entwicklung und die Suche nach Ressourcen an. Deutsche Firmen böten dazu passende Lösungen und seien findig im Schaffen mehrwertiger Innovationen.
Im Besonderen profitieren die klassischen Industriebranchen wie Maschinenbau und Spezialmaschinenbau, Elektroindustrie, Chemie und Automobilindustrie vom Boom, aber auch Firmen, die neue Lösungen zur Mobilität anbieten oder sich um die Energieproduktion der Zukunft kümmern.
Schwellenländer haben aus früheren Fehlern gelernt
Hüther: „Die Exportdynamik wird anhalten, unsere Wirtschaft ist sehr gut aufgestellt. Die Nachfrage aus Schwellen- und Entwicklungsländern steigt, denn die Industrialisierung in diesen Ländern schreitet voran, die Bedarfe steigen. Die größeren Schwellenländer in Asien und Teilen Lateinamerikas haben ihre Auslandsverschuldung abgebaut, Leistungsbilanzüberschüsse und hohe Devisenreserven erwirtschaftet, sie betreiben eine solidere und stabilere Wirtschaftspolitik als früher. Hinzu kommen mehr Kapitalzuflüsse und höhere Devisenreserven.“ Deutschland exportiert zu 43 Prozent in die Eurozone, knapp sieben Prozent in die USA und fast ein Drittel in die Schwellen- und Entwicklungsländer wie Mittel- und Osteuropa, Brasilien, Asien, Russland, Lateinamerika.
Infrastruktur und Energie sind die Themen der Zukunft
In Zukunft, so Hüther, werden Oberthemen des Exports Infrastruktur und Energie sein. Infrastruktur in Form von Verkehrsinfrastruktur, Individualmobilität, Mess- und Regeltechnik, Verbesserung der Steuerungseffizienz. Bei der Energie wird es darum gehen, intelligente Lösungen weiterzutreiben. Aber auch andere Themen gewinnen an Bedeutung: Gesundheit, Pflege, Medizintechnik, Pharmazie – eigentlich alle Biowissenschaften. Wesentlich sei, Wirtschaft und Wissenschaft stärker miteinander zu vernetzen.