Ältere Mitarbeiter werden künftig in den Betrieben noch stärker gefragt sein – und können durchaus mit den Jüngeren Schritt halten. Vieles gelingt ihnen sogar besser. Davon ist Prof. Dr. Jutta Rump als Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability IBE in Ludwigshafen überzeugt. D’fakto hat ihr die Titelseite gewidmet und sprach mit der Professorin über die Chancen, die altersgerechte Lernmethoden und Arbeitsplatzmodelle bieten.
Lebenslanges Lernen – mit Köpfchen
Ältere Mitarbeiter lernen anders, das hat Einfluss auf die Gestaltung von Angeboten zum lebenslangen Lernen: Die kognitive fluide Kompetenz lässt im Alter nach, also das Auswendiglernen von Fakten, dafür steigt aber die kognitive kristallisierte Kompetenz, also die Fähigkeit, mit Informationen Brücken zu bauen, Zusammenhänge – auch komplizierte – zu erkennen und zu verstehen und Dinge in Strukturen einzuordnen. Rump: „Bei der Ausgestaltung von Lernangeboten muss man darauf achten, dass man Methoden und Didaktiken findet, die dazu passen. Also: Keine isolierten Informationen präsentieren, sondern immer die Informationen in einen praxisnahen Kontext einbetten.“
Vorteile für alte und junge Mitarbeiter
Firmen können es schaffen, Mehrwerte aus älteren Mitarbeitern zu ziehen, indem sie auf Funktionen setzen als Mentor oder Coach, als Reflexionspartner für Jüngere, als Tandem und Partner in komplexen Projekten. „Ideal, wenn man auf diese Art und Weise einen Wissenstransfer hinbekommt. Solche institutionalisierten Mentorenprogramme eignen sich eher für größere Unternehmen. In kleineren und mittelständischen Unternehmen haben sich vor allem Patenmodelle durchgesetzt: Schon Auszubildende bekommen für drei bis fünf Jahre einen älteren Paten an die Seite“, so Prof. Jutta Rump.
Wertschätzung Älterer kommt automatisch
Die Wertschätzung älterer Mitarbeiter setze automatisch ein, wenn die Babyboomer älter werden – und das wird in den nächsten Jahren der Fall sein, so Jutta Rump. „Die Jugendorientierung war in den Achtzigern und den Neunzigern besonders stark ausgeprägt – als diese Generation ins Berufsleben strebte und die ersten Jahre im Beruf war. Eine gut ausgebildete Generation, die flächendeckend auf hohem Niveau rasch in Fach- und Führungspositionen strebte. Diese Gruppe wird jetzt gemeinsam alt – und sie werden bis 67 Jahre arbeiten. Die Altersgerechtigkeit ergibt sich von selbst.“