Die schwierige Frage, wie sich die Unternehmenslandschaften dynamischer gestalten lassen, wie man neue Betriebe in die eigene Region zieht, beschäftigt Wirtschaftsförderer überall. Lässt sich dieser Prozess überhaupt steuern? Oder sollten Wirtschaftsförderer sich lieber darum kümmern, dass bestehende Betriebe bleiben, sich wohlfühlen und am Standort wachsen? Darüber sprach D’fakto mit dem Ökonomen Prof. Dr. Ulrich Blum vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle.
Zweifel an der Bedeutung von Neuansiedlungen
In der öffentlichen Wahrnehmung ist Wirtschaftsförderung meist verbunden mit der Akquisition neuer Unternehmen. Allerdings macht das Neuerrichten von Betrieben oder Unternehmen nur einen geringen Anteil am Geschäft des Wirtschaftsförderers aus: Meist spielt sich das Tagesgeschehen auf der Ebene von Betriebserweiterungen und des Verhinderns von Betriebsschließungen ab.
Auch Cluster funktionieren nach Marktgesetzen
Blum: „Es sind vor allem massive politische Umwälzungen oder technologische Sprünge, die Neuansiedlungen begünstigen. Typische Beispiele dafür finden wir in Deutschland in der Zeit nach der Wende und international in der Öffnung der Schwellenländer durch eine zunehmende politische Stabilität.“ Inwieweit ein Wirtschaftsförderer Clusterbildung beeinflussen könne, sei strittig, so Blum. Sich langfristig gegen die Marktkräfte zu stemmen, sei meist aussichtslos und extrem teuer.