In Zukunft werden die Standorte erfolgreicher sein, die Fachkräfte gut ausbilden und an sich binden können. Wie Wirtschaftsförderungen für ihre Regionen Wettbewerbsvorteile erreichen können, erklärt Diplom-Volkswirtin Alexandra Landsberg, Bereichsleiterin Wirtschaftsförderung beim Beratungsunternehmen agiplan.
Agiplan ist im Bereich Wirtschaftsförderung und Clustermanagement, Politik- und Verwaltungsmanagement aktiv. In einem bundesweiten Standortranking hat das Unternehmen bewertet, wie gut kreisfreie Städte und Kreise bei Fachkräften ankommen. „In unserer Studie haben wir nicht nur harte Standortfaktoren wie die Technologieorientierung berücksichtigt, sondern auch die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte und die Frage, ob die Standorte Fachkräfte durch positive weiche Standortfaktoren an sich binden können“, so Alexandra Landsberg, die den Bereich Wirtschaftsförderung leitet.
Offene Städte werden bevorzugt
Dabei schnitten kreative Städte wie Köln, Heidelberg und Dresden besonders gut ab. Eine Herausforderung besteht für Städte wie Essen, Magdeburg und Hagen, die im Vergleich zu Kommunen ähnlicher Größe schlechtere Ergebnisse erzielten. Landsberg: „Fachkräfte entscheiden sich besonders gern für offene Städte. Das hat mit Attraktivität, städtebaulicher und sozialer Urbanität, mit Gastronomie, Kultur und einem authentischen Image zu tun. Eine gut ausgebildete Bevölkerung ist die Voraussetzung für ein wettbewerbsfähiges Fachkräfteangebot. Zwar haben sich die Bildungsergebnisse nach PISA in den letzten Jahren in vielen Kommunen verbessert. Der Rückstand in den benachteiligten Gemeinden, Städten und Stadtteilen ist aber geblieben. Hier müssen wir handeln, wenn wir die jungen Leute als Fachkräfte integrieren und einsetzen wollen.“
Neue Aufgaben für Wirtschaftsförderer
Landsberg fordert, dass sich die Wirtschaftsförderungen einen Überblick darüber verschaffen, wo in den kommenden Jahrzehnten ihre Fachkräfte herkommen. Ein wichtiger Ansatzpunkt könnten z.B. die Programme des bundesweiten Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“ sein. „Wirtschaftsförderer werden Treiber in der Fachkräftestrategie einer Kommune und stellen die neue Frage: Wie erreiche ich, dass wir heute und in zehn Jahren ausreichend verfügbare Fachkräfte haben?“, prognostiziert die Expertin im D’fakto-Interview.